Oboistin Physiotherapeutin Sophie Stahl

© unsplash

8 Tipps für Dein Musikzimmer aka Überaum, damit Du richtig produktiv & konzentriert bist

Während meines Klarinettenstudiums hatte ich ständig das Problem einen Überaum zu finden, in dem ich richtig effektiv und produktiv sein konnte. Teilweise habe ich mehr als 6 Stunden gewartet, um einen Überaum in der Hochschule zu bekommen. Diesen durfte ich dann zwei Stunden in Beschlag nehmen. Also eine mehr als suboptimale Situation!

Auch Probleme mit den Nachbarn blieben nicht aus. Diese fanden es komischerweise nicht so toll, mehrere Stunden am Tag Klarinettenmusik und Tonleitern zu hören. Moderne Musik mit sehr viel hohen Tönen war natürlich besonders beliebt ;-)!

Sehr lange träume ich also davon mir ein eigenes Musikzimmer einrichten zu können, in dem ich die perfekte Atmosphäre zum Üben vorfinde.

Bis heute habe ich mir diesen Traum noch nicht erfüllen können, aber vor ein paar Jahren bin ich diesem zumindest schon ein Stück näher gekommen. Da habe ich mir nämlich eine Übekabine/Schallschutzkabine gekauft und nun kann ich rund um die Uhr üben, ohne meine Nachbarn zu stören! So großartig, kann ich Dir sagen!

In diesem Artikel findest Du hilfreiche Tipps für ein Musikzimmer aka Übezimmer, um produktiv, konzentriert und ungestört zu üben.

Hast Du schon ein Übezimmer, inspiriert Dich dieser Beitrag vielleicht dazu, wie Du dieses noch optimieren kannst.

Solltest Du noch auf der Suche sein und das Gefühl haben, dass sich Deine Situation auch in Zukunft nicht ändern wird, findest Du ergänzend zu diesem Artikel bei den Übehacks zahlreiche Impulse, wie Du selbst zu mehr Ruhe und Konzentration beim Üben finden kannst, selbst dann, wenn die Umgebung nicht optimal ist.

Denn ganz wichtig! Ein tolles Musikzimmer oder Überaum ist eine richtig coole Sache, aber viel wichtiger ist es, dass Du weißt, wie Du Dir auch ohne die perfekten Umstände eine Atmosphäre schaffst, in der Du produktiv und konzentriert bist.

Bereit für die Tipps? Dann lass uns starten.

8 Tipps für Dein Musikzimmer aka Überaum

#1 Fühlst Du Dich beim Üben beobachtet?

Eine der Grundvoraussetzungen für einen Ort, an dem Du gut üben kannst, ist, dass Du Dich frei und unbeobachtet fühlst. Es gibt beim Musizieren nichts hinderlicheres als dass Du darüber nachdenkest, ob jemand zuhört und wie diese Person Deine „Leistung“ bewertet.

Dann wird es wirklich schwer in die Musik ein- und abtauchen und sich frei zu fühlen.

Such Dir wirklich einen Ort, an dem Du ungeniert Fehler machen kannst und dies auch tust. Es darf auch mal nicht so schön klingen! Vor allem solltest Du an diesem Ort laut sein dürfen und Dir keine Gedanken darüber machen müssen, ob Du jemanden störst.

#2 Ruhe beim Üben

Wenn es in #1 darum ging, dass Du ein Musikzimmer brauchst, wo Du andere nicht störst, aber nicht nur um die anderen zu schützen, sondern vor allem, um Dich selbst freier beim Üben zu fühlen, dann geht es nun bei #2 darum, dass Du darauf achtest Ruhe beim Musizieren zu haben.

Deinen Mitbewohner*innen oder Familienmitgliedern könntest Du kommunizieren, dass Du beim Üben nicht gestört werden möchtest. Zum Beispiel mit einem Schild, was Du an die Tür hängst.

Dein Handy ist am besten gar nicht mit in Deinem Musikzimmer oder zumindest auf Flugmodus geschaltet. Denn wie eine Studie [1] von 2015 zeigt, haben Notifications, Klingeltöne und auch das Brummen große Auswirkungen auf unsere Konzentrationsfähigkeit.

Übe lieber 10 Minuten effektiv und ohne Ablenkung als 30 Minuten, in denen Du mehrmals Dein Handy in die Hand nimmst und im Internet surfst. Denn jeden Fehler, den wir durch unkonzentriertes Üben machen, üben wir mit und brauchen dann wieder Zeit, um ihn zu korrigieren.

[1] https://doi.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Fxhp0000100

#3 Platz beim Üben

Eingeengt in einer Ecke zwischen vielen anderen Dingen, übt es sich einfach nicht so gut. Es ist wirklich wichtig Platz beim Musizieren zu haben.

Ich laufe zum Beispiel sehr gerne beim Üben im Zimmer herum. Das lockert mich und ich fühle mich wohler beim Spielen. Außerdem lernen wir in Bewegung auch viel besser.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass der Platz, der mir zur Verfügung steht, sich direkt auf meine Haltung auswirkt. Habe ich Platz stehe ich gerade und nehme einen gewissen Raum ein. Steht mir nur eine kleine Ecke zur Verfügung neige ich dazu körperlich einzufallen und gebeugt dazustehen.

Das hat dann enorme Auswirkungen auf den eigenen Klang! Also besser mehr Platz fürs Üben schaffen 😉

© unsplash

#4 Ordnung beim Üben

Ok, jeder Mensch ist ein bisschen anders, aber ich kann es sehr schwer aushalten, wenn es um mich herum aussieht als wäre eine Bombe eingeschlagen. Auch früher in den Überäumen der Hochschule war meine erste Tat Ordnung zu schaffen. Die Stühle mussten ordentlich an die Wände gestellt werden und die verteilten Noten und Zettel meiner Vorgänger*innen auf einen Haufen.

Unordnung lenkt mich enorm ab, vielleicht kennst Du das ja?

Vor allem dann, wenn sie von Dingen verursacht werden, die abgearbeitet werden müssen. Meine Gedanken driften dann ständig ab und beschäftigen sich damit, was ich noch zu erledigen habe.

Für mich lohnt es sich auf jeden Fall ein paar Minuten vor dem Üben ins Aufzuräumen zu investieren als im Chaos mein Glück zu versuchen.

#5 Ausstattung für Dein Musikzimmer

So richtig viele Tools brauchen wir beim Musizieren eigentlich nicht, aber einen Notenständer finde ich schon sehr sinnvoll. Es gibt sie in verschiedenen Höhen, manche sind leichter und andere sehr stabil. Ganz egal welchen Du Dir kaufst, achte darauf, dass Du ihn beim Üben auf die richtige Höhe einstellst.

Die richtige Höhe hast Du gefunden, wenn Dein Blick mit einer aufrechten Kopfhaltung auf die Noten fällt. Du den Kopf also nicht neigen musst, um die Noten lesen zu können. Gegebenenfalls musst Du Dich dafür etwas weiter von dem Notenständer wegstellen.

Warum ist das so wichtig?

Beim Musizieren hilft uns eine aufrechte Haltung dabei Verspannungen vorzubeugen und, dass der Atem frei fließen kann.

Ebenso wichtig wie der Notenständer ist ein passender Stuhl – natürlich nur, insofern Du beim Üben auch mal sitzen möchtest. Wichtig ist hier, dass Deine Oberschenkel beim Sitzen in einem rechten Winkel zum Boden sind. Eine Übung, wie Du eine gesunde Haltung beim Sitzen einnimmst, habe ich in dem Interview mit der Oboistin und Physiotherapeutin Sophie Stahl aufgenommen.

Wenn ich ein echtes Must-have für Deinen Übeort bestimmen soll, dann ist es definitiv ein Bleistift! Diesen hast Du am besten immer parat und musst nicht erst beim Bedarf anfangen danach zu suchen. Denn oft machen wir es dann doch nicht und tragen wichtige Erkenntnisse nicht in die Noten ein. Ertappt? Ich kenne es auf jeden Fall!

#6 Notizheft, Übeplan, Übejournal, Übetagebuch

Hast Du Dein Üben schon einmal mit einem Journal oder einem Tagebuch dokumentiert?

Es gibt so viele verschiedene Methoden, wie es Musiker*innen gibt.

Du kannst es ganz simple halten und Dir einfach notieren, was Du heute, in der kommenden Woche oder das nächste Mal üben möchtest.

Wenn es aber etwas mehr sein darf, kannst Du Dir weitere Gedanken, die Dir beim Üben, davor oder danach in den Kopf kommen, schriftlich festhalten. Zum Beispiel: Wo hängt es gerade noch bei dem Stück? In welchem Tempo kannst Du den Satz spielen? Welcher Tipp Deines*r Lehrer*in willst Du Dir unbedingt merken? Welche Frage willst Du in Deinem nächsten Unterricht, in der nächsten Probe stellen?

Da einem die Gedanken meist beim Üben direkt kommen, lohnt es sich Dein Notizheft, Übetagebuch, oder das “Musician’s Journal” mit zahlreichen Mindset- und Achtsamkeitsimpulsen, direkt in Deinem Musikzimmer zu platzieren.

Übrigens: Dieses Vorgehen lohnt sich nicht nur für Profis. Gerade für Hobbymusiker*innen, bei denen die  Pausen zwischen den Übe-Einheiten größer ausfallen können, kann es eine tolle Unterstützung sein, wichtige Dinge zu notieren. Es wird so viel einfacher an die letzte Übesession anzuknüpfen.

Welche 3 Fragen in Deinem Übejournal aus meiner Sicht nicht fehlen dürfen, erfährst Du im Journal-Hack.

Musicians Journal, Übejournal, Übetagebuch, Noten, Melina Paetzold

© unsplash

Musicians Journal, Übejournal, Übetagebuch, Noten, Melina Paetzold

#7 Mach’s Dir schön

Und zuletzt noch ein genereller Tipp. Gestalte Dir den Ort, an dem du üben willst, so, dass er Dir wirklich richtig gut gefällt. Mach’s Dir schön!

Vielleicht möchtest du eine Affirmation oder einen Tipp aufhängen, den du von deinem*r Lehrer*in bekommen hast, damit Dir dieser immer präsent ist. Vielleicht magst Du Dir ein Bild von einem*r Musiker*in aufhängen, der*die Dich inspiriert.

Die Raumgestaltung muss aber nicht zwingend etwas mit Musik zu tun haben. Sie darf auch einfach nur schön sein ;-).

#8 Die Stimmung an einem Ort

Übst Du eigentlich immer an demselben Ort?

Wir tendieren nämlich dazu Tätigkeiten an einen bestimmten Ort koppeln. Das hilft uns dann an diesem Ort “in Stimmung” kommen. Auf der Couch entspannen wir, am Esstisch essen wir, am Schreibtisch arbeiten wir usw. Du kennst es bestimmt, dass es einem viel schwerer fällt auf der Couch produktiv zu sein.

Wo könnte also der Ort sein, der Dich in Deine „Übestimmung“ bringt?

Für Dich zusammengefasst:

  • Suche Dir einen Ort, an dem Du Dich frei fühlst und wo es auch mal nicht so schön klingen darf!
  • Ordnung ist bei mir die halbe Miete. Vielleicht geht es Dir ja genauso?
  • Schau, dass Du Ruhe beim Üben hast und Dich keiner stört.
  • Achte darauf, genug Platz beim Üben zu haben, denn sonst wirkt es sich vielleicht auf Deinen Klang aus.
  • Bist Du gut ausgestattet? Notenständer, Stuhl & Bleistift?
  • Schaffe Dir ein Musikzimmer, Überaum, in dem Du Dich wohlfühlst und wo Du gern bist.
  • Notizhefte oder Journals können reine Wunder beim Üben bewirken. Lege Dir am besten ein schön designtes Heftchen oder das “Musician’s Journal” parat.

Fazit

Manchmal fehlt es uns gar nicht umbedingt an Motivation, um regelmäßig und stetig motiviert zu üben.

Ich selbst kenne es sehr gut, dass ein fehlender Ort, oder ein Musikzimmer, in dem wir uns unwohl fühlen, dem Üben im Weg stehen kann. Außerdem kann die ein oder andere Anpassung zu einem ganz anderen Übe-Erlebnis führen.

Sei nicht demotiviert, wenn Du nicht gleich alle acht Impulse für Dein Musikzimmer umsetzen kannst. Allein dadurch, dass Du dieses Thema in Dein Bewusstsein gerückt hast, wird schon viel passieren und Du nach und nach Deinem idealen Musikzimmer näherkommen.

Solltest Du nun gerade bemerken, dass Du noch sehr weit von Deinem perfekten Musikzimmer entfernt bist und  es auch keine Möglichkeit für Dich gibt in der nächsten Zeit dahin zu gelangen, dann schau mal bei den Übehacks vorbei. Dort findest Du zahlreiche Impulse, wie es Dir gelingen kann trotz suboptimaler Umstände, produktiv und konzentriert zu üben.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Erschaffen Deines Musikzimmers. Ich bin super gespannt, welcher Punkt Du als erstes umsetzen möchtest. Schreib es mir unbedingt hier in die Kommentare oder verlinke mich auf einem Foto von Deinem Musikzimmer bei Instagram.

Ich freue mich von Dir zu hören!

Alles Liebe.

Melina

Hol Dir jetzt die neusten Interviews, Blogartikel und Übehacks für ein kreatives und erfülltes Üben direkt in Dein Postfach!

.

Diese Blogartikel können Dich auch interessieren: