Laufen für Musiker*innen:

Interview mit Daniel Tomann-Eickhoff – Flötist und Lauftrainer

Einleitung

Ich freue mich sehr in diesem Artikel ein paar meiner persönlichen Erfahrungen zum Thema Laufen mit Dir teilen zu können, denn das Laufen hat so viel Potential für uns Musiker*innen! Außerdem habe ich mir mit Daniel Tomann-Eickhoff einen richtigen Experten rund um das Thema Laufen und Musik für ein Interview eingeladen. Daniel läuft sehr ambitioniert, hat schon viele Marathons in den Beinen und arbeitet als Flötist beim NDR Orchester. 

4 Gründe, warum ich mir nicht mehr vorstellen kann, nicht zu laufen.

1. Die vielen Stunden in den teilweise doch häßlichen Überäumen, die Lautstärke in den Proben oder früher in der Mensa. Viele Jahre hatte ich dafür kein gutes Gegengewicht. Und dann kam das Laufen. Es tut so gut nach einem langen Tag eine Runde zu drehen, sich am Morgen in Schwung zu bringen oder auch nach der Mittagspause erfrischt und konzentrierter weiterarbeiten/-üben zu können. Regelmäßig in der Natur zu sein, gerade auch bei langen Läufen, ist für mich der perfekte Ausgleich!

2. Wenn ich über etwas grübele und mir dann die Laufschuhe schnüre, komme ich eigentlich immer mit der Lösung nach Hause. Das Laufen hilft mir aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und „klar“ zu sehen. 

3. Bereits nach einigen Monaten spürte ich eine deutlich bessere Fitness auf der Bühne. Durch die bessere Kondition bin ich weniger schnell erschöpft und kann mich wesentlich länger konzentrieren.

4. Laufen ist ein wunderbarer Weg seine Verspannungen loszuwerden.

Laufen ging für mich eine lange Zeit gar nicht.

Laufen und ich. Das war nicht gleich die Liebe auf den ersten Blick. Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten mit dem Laufen und das hatte vor allem mit meiner Atmung zu tun. Als ich dieses Problem jedoch gelöst hatte, habe ich mich sofort in das Laufen verliebt. Falls es Dich näher interessiert, wie ich mein „Atemproblem gelöst habe, höre gern in folgendes Podcast-Interview hinein „Atme in den Bauch!“ – Wie Du durch eine bessere Atmung leichter Laufen kannst“. Natürlich habe ich Daniel bezüglich der Atmung fürs Laufen, aber auch fürs Musizieren ausgefragt. Er hatte dazu ein paar sehr gute Ergänzungen, schau dafür gerne in das Video-Interview. 

Was erwartet Dich in den Interviews?

Vielleicht soweit erstmal zu meinen eigenen Erfahrungen als Musikerin mit dem Laufen. Lass uns mit den zwei folgenden Interviews –Video und Text – tiefer in die Vorteile und Potentiale des Laufens für Musiker*innen einsteigen. In dem Gespräch mit Daniel erfährst Du:

  • … warum Laufen gerade für uns Musiker*innen interessant ist.

  • … wie Laufen uns dabei helfen kann konzentriert zu üben oder Verspannungen vorzubeugen.

  • … was wir uns beim Laufen für den Cool Down und den Warum Up beim Musizieren abschauen können.

  • … wie wir durch das Laufen zu mehr Natürlichkeit in der Musik kommen und unsere eigenen Grenzen akzeptieren lernen.

Ich wünsche Dir viel Freude mit den Interviews und freue mich auf Deine Rückmeldung in den Kommentaren unten, bei Instagram @melinapaetzold oder als Mail mail@beingdoingmusic.de

Interview mit Daniel Tomann-Eickhoff – Flötist und Lauftrainer

1. Frage: Lieber Daniel, erzähle doch erstmal etwas über Dich: Wer bist Du? Was machst Du? Warum bist Du Musiker geworden? Was bedeutet Musik für Dich? Was bedeutet es für Dich Musiker zu sein?

Daniel: Ich bin Daniel, geboren in einem kleinen Bergdorf im hinteren Zillertal in Tirol, jetzt wohnhaft in Lübeck. Ich bin Ehemann, dreifacher Familienvater, Flötist im NDR Elbphilharmonie Orchester, Rock-Gitarrist (nicht gut, aber aus Leidenschaft) und Lauftrainer in einem Triathlon-Verein.

Als Heranwachsender war es ursprünglich nur mein Ziel in der Blaskapelle meines Heimatdorfes mitzuspielen. Mein Wunsch Berufsmusiker zu werden ist erst später intuitiv entstanden und ich hatte das große Glück Lehrer zu haben, die mir den Weg dafür geebnet haben.

Dieser Weg führte über ein Jungstudium am Tiroler Landeskonservatorium, über die Musikhochschule in München nach Hannover. Von dort ging es ziemlich schnell in ein Praktikum beim SWR Sinfonieorchester und in meine erste feste Stelle als stellvertretender Soloflötist in der Staatskapelle Weimar. Nach fünf Jahren dort habe ich mit meiner Stelle als 2. Flötist im NDR Elbphilharmonie Orchester den 6er im Lotto bekommen und spiele seit nunmehr 11 Jahren in diesem Orchester.

Musiker zu sein ist eine Lebenseinstellung, kein „Job“. Ich kenne keine erfolgreichen Musiker, die nicht das ganze Leben darauf ausgerichtet hätten. Mir ist beim Musikmachen wichtig, dass man das Ego zurückstellen kann um das Ganze zu sehen.

Musik ist für mich das Abtauchen in einen anderen Kosmos.

„Musiker zu sein ist eine Lebenseinstellung, kein „Job“!

2. Frage: Welche drei Wörter beschreiben für Dich das Musizieren am besten?

Daniel:

  1. Leidenschaft
  2. Vielfältigkeit
  3. Glücksgefühl

3. Frage: Wie bist Du zu LAUFEN gekommen? Gab es hier Schlüsselmomente? Was macht LAUFEN für Dich aus?

Daniel: Irgendwie gelaufen bin ich immer. Aber so richtig ins strukturierte und bewußte, sportliche Laufen hat mich mein ehemaliger Kollege der Staatskapelle Weimar gebracht Er hat mich im Probejahr zum Weimarer Stadtlauf über 10 km überredet. Eigentlich aus Sorge im Probejahr etwas falsch zu machen, habe ich mich dann angemeldet und ich bin völlig naiv und komplett unvorbereitet die 10 km in 44 Minuten gelaufen. Die Leistung wußte ich damals überhaupt nicht einzuschätzen, mein Kollege aber schon. Ein halbes Jahr später, mein Probejahr war dann bereits vorüber, standen wir gemeinsam an der Startlinie des Berlin Marathons. Was für ein Erlebnis!! Danach war ich nicht mehr zu bremsen.

Laufen für Musiker*innen, Läufer im Park, Sonnenuntergang

© unsplash

4. Frage: Wie bereichert das LAUFEN Dein Musizieren/ Üben?

Daniel: Seitdem ich regelmäßig laufe habe ich keine Schmerzen mehr und bin kaum noch krank. Mehr gibt’s dazu wohl nicht zu sagen.

5. Frage: Welche Erkenntnisse hattest Du durch das LAUFEN für Dein Musizieren, die Du Dir schon früher gewünscht hättest?

Daniel: Nach den vielen Stunden einsamen Übens in kleinen, teils dunklen Räumen und nach all dem Grübeln über den wahren Sinn von musikalischen Linien, wurden mir von einem Weltklasseläufer namens Emil Zatopek die Augen geöffnet:

Vogel fliegt.

Fisch schwimmt.

Mensch läuft.

Wir leben meist in einer künstlichen Welt, in der wir uns nicht mehr natürlich bewegen. Das Laufen ist aber etwas bodenständiges, etwas ganz natürliches, das uns mit in die Wiege gelegt wurde. Gleichzeitig sind wir Musiker ebenfalls auf der Suche nach diesem „natürlichen“ in der Musik und sehen es oft nicht. Dabei findet man es doch ganz einfach: In der Natur selbst. Also raus mit Euch!

„Als Musiker*innen sind wir auf der Suche nach dem „natürlichen“ in der Musik und sehen es oft nicht. Dabei findet man es doch ganz einfach: In der Natur selbst.“

6. Frage: Welche Probleme/ Herausforderungen konntest Du mit LAUFEN in Bezug auf die Musik für Dich lösen?

Daniel: Eigentlich habe ich die Antwort auf diese Fragen bereits oben gegeben. Ergänzend lässt sich vielleicht noch sagen, dass das Laufen zwar für mich persönlich ein wunderbarer Weg ist Probleme und Herausforderungen zu meistern, es aber völlig vermessen wäre hier ein Plädoyer für das Laufen als Allheilmittel zu halten. Bei mir funktioniert es, aber das heißt nicht, dass das bei jedem so ist.

Lauferin bei Sonnenuntergang

© unsplash

7. Frage: Wo siehst Du das größte Potential in der Kombination von Musik & LAUFEN?

Daniel: Ein wesentlicher Bestandteil des gesunden Laufens ist die Natürlichkeit – und zwar in Bezug auf den individuellen Bewegungsablauf, aber auch in der (mentalen) Akzeptanz der Grenzen. Ich denke, das lässt sich ganz leicht auf das Musikmachen übertragen.

8. Frage: Hast Du Buch-, Video- oder andere Tipps, die sich für den Einstieg oder auch die Vertiefung des eigenen Laufens als Musiker*in eignen?

Nein. Laufen lernt man durchs Laufen, Musikmachen durchs Musikmachen. Für den Einstieg in das Thema bedarf es keiner Bücher, Videos oder Tipps. Es zu machen ist das einzig Nötige, der Rest entwickelt sich dann schon. Also: ab in die Laufschuhe und ran an die Instrumente!

9. Frage: Gibt es noch etwas, was Du hinzufügen möchtest?

Ja: vielen Dank!

Ich hoffe Daniel und ich konnten Dir etwas oder noch mehr Lust auf Laufen als Musiker*in machen. Lass mich gerne bei Instagram wissen, wie Dir der Artikel gefällt und teile ihn gerne mit anderen, die das Thema auch interessant und bereichernd finden könnten.

Alles Liebe

Deine

Melina

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