Yoga für Musiker*innen:

Interview mit Katharina Giegling – Geigerin und Yogalehrerin

© Zuzanna Specjal

Einleitung

In den letzten Jahren werden es immer mehr Musiker und Musikerinnen, die Yoga für sich entdecken oder auch schon lange als wertvolle Ergänzung zum Musizieren für sich praktizieren. Ich freue mich sehr in diesem Artikel ein paar meiner persönlichen Erfahrungen zum Thema Yoga mit Dir teilen zu können. Das Herzstück dieses Artikels ist jedoch das Interview mit Katharina Giegling einer Expertin rund um das Thema „Yoga für Musiker*innen“.

In den letzten Jahren werden es immer mehr Musiker und Musikerinnen, die Yoga für sich entdecken oder auch schon lange als wertvolle Ergänzung zum Musizieren für sich praktizieren. Ich freue mich sehr in diesem Artikel ein paar meiner persönlichen Erfahrungen zum Thema Yoga mit Dir teilen zu können. Das Herzstück dieses Artikels ist jedoch das Interview mit Katharina Giegling einer Expertin rund um das Thema „Yoga für Musiker*innen“.

Was fasziniert mich an Yoga als Musikerin?

Seit 2010 begleitet mich Yoga nun schon regelmäßig in meinem Alltag als Musikerin. Zunächst fand ich den Effekt, der geistigen und körperlichen Entspannung durch Yoga unschlagbar. Gerade wir Musiker*innen stehen ja fast unter Daueranspannung und Yoga ermöglichte es mir sehr gut Gedanken loszulassen. Gerade, wenn ich abends eine Yogastunde nahm, schlief ich danach so tief wie sonst selten oder konnte konzentriert üben ohne immer mit den Gedanken abzuschweifen.

Gleiches galt für meinen Körper. Nach dem Yoga fühle ich mich immer wieder etwas „grader“, ausbalancierter. Yoga hilft mir Verspannungen aufzulösen, die durch die vielen Stunden des Übens entstehen.

Yoga half mir mit meiner Sehnenscheidenentzündung.

Meine Beziehung zu Yoga wurde in meinen ersten Studiensemestern intensiver. Während ich eine Sehnenscheidenentzündung hatte, bei der mir kein/e Ärzt*in richtig helfen konnte, bekam Yoga eine größere Bedeutung für mein Musizieren. Denn neben den gesundheitlichen Aspekten lern(t)e ich in den Yogastunden meinen Körper bewusster wahrzunehmen. Das hilft mir bis heute Überlastungen frühzeitiger zu erkennen und ihnen vorzubeugen zum Beispiel eine Pause einzulegen. Denn eines ist mir durch meine Sehnenscheidenentzündung, die meinen Beruf in Frage stellte, klar geworden: Meine Gesundheit ist die Basis für die Musik.

Wie ich Yoga auf mein Musizieren übertrage. Ein Beispiel.

Als ich vor ein paar Jahren mit dem Yin Yoga begann, einer Yoga-Art, bei der man die Posen lange hält und die Dehnungen sehr intensiv sind, entdeckte ich einen weiteren Aspekt des Yogas, der wiederum mein Leben als Musikerin bereicherte. Wenn es während einer Position in der Yin Yoga Stunde so richtig unangenehm wurde, die Dehnung sehr intensiv war, wurden meine Gedanken immer lauter. Ich fing an mich dazu zu überreden aus der Position auszusteigen und das mit Nachdruck ;-). Mich regelmäßig dieser Situation beim Yin Yoga auszusetzen half mir auch beim Musizieren. Zum Beispiel bei Konzerten, in denen sich nach einer Weile die Erschöpfung einstellte und wie in der Yin-Yoga Klasse mein Kopf lauter wurde, sodass ich nicht mehr nur mit der Musik, sondern vor allem auch mit den Gedanken beschäftigt war. Die Yin Yoga-Stunden helfen mir Gedanken, Gedanken sein zu lassen und mich wieder auf das zu konzentrieren, was ich möchte. Im Konzert kann ich in körperlich herausfordernden Momenten so besser der Musik und weniger meinen Gedanken lauschen.

Was erwartet Dich in den Interviews?

Vielleicht soweit erstmal zu meinen eigenen Erfahrungen als Musikerin mit dem Yoga. Lass uns mit den zwei folgenden Interviews –Video und Text – tiefer in die Vorteile und Potentiale des Yogas für Musiker*innen einsteigen. Katharina Giegling ist selbst Geigerin und Yogalehrerin für Musiker*innen. In unseren Gesprächen erfährst Du:

  • … warum Yoga gerade für uns Musiker*innen interessant ist.

  • … wie Yoga uns dabei helfen kann konzentriert zu üben oder Verspannungen vorzubeugen.

  • … wie wir Yoga leichter in unseren Alltag als Musiker*innen einbauen können.

  • … wie Yoga unserer Kommunikation in Proben verbessern kann.

Ich wünsche Dir viel Freude mit den Interviews und freue mich auf Deine Rückmeldung bei Instagram @melinapaetzold.

Interview mit Katharina Giegling – Geigerin und Yogalehrerin

1. Frage: Liebe Katharina, erzähle doch erstmal etwas über Dich: Wer bist Du? Was machst Du? Warum bist Du Musikerin geworden? Was bedeutet Musik für Dich?

Katharina: Ich heiße Katharina Nicola Giegling, bin Mensch, Musikerin – Violinistin, Yogalehrerin, Mama von bald 3 süßen Kids und lebe mit meinem Mann und unseren Kindern in Hannover, wo ich glücklich und freischaffend als Musikerin, Yogalehrerin und Coach für Musiker*innen arbeite. Im Ensemble musica assoluta bin ich erste Konzertmeisterin und konzertiere regelmäßig freischaffend mit Orchestern wie dem Ensemble Resonanz Hamburg oder der NDR Radiophilharmonie Hannover.

Warum ich Musikerin geworden bin? Weil es meine Leidenschaft ist. Schon seit ich denken kann, war und ist Musik ein großer Bestandteil in meinem Leben. Ich habe meistens 😉 unheimlich gerne geübt und Geige gespielt und liebe es, auf der Bühne zu stehen und Konzerte zu geben.

Am Liebsten trete ich solo oder mit Kammermusik und Kammerorchester auf und erlebe, dass wir Musiker*innen, die Welt auf unsere Weise zu einem besseren Ort machen. Einem Ort, der Raum gibt, zuzuhören, aufmerksam zu sein, still zu sein, bei sich zu sein und Emotionen zu lauschen. Einem Ort, an dem Geschichte lebendig und hörbar wird, alle Facetten des Lebens hörbar sind und meist die Schönheit der Welt und der Musik zum Klingen kommt.

2. Frage: Welche drei Wörter beschreiben für Dich das Musizieren am besten?

Katharina: Liebe, Bewusstsein, Hingabe

Musikerin Katharina Giegling Yoga und Geige

© Zuzanna Specjal

3. Frage: Wie bist Du zu YOGA gekommen? Gab es hier Schlüsselmomente? Was macht YOGA für Dich aus?

Katharina: Ich war immer schon sportlich, habe mich immer schon gerne bewegt: Als Kind habe ich viel Leichtathletik gemacht, später war für mich Fitnessstudio, Kieser Training, Schwimmen und Spinning ein guter Ausgleich.

Als ich vielleicht 13 Jahre alt war, litt ich an einer monatelangen Sehnenscheidenentzündung an beiden Armen, die mich dazu „zwang“, das Geigen zu pausieren.
Neben allerlei Therapie half mir, mich mit mir, meinen Bedürfnissen, meinem Körper und meinem Innenleben bewusst auseinander zu setzen. Ich lernte, Pausen zu machen, meine Stärken zu sehen, aber auch meine Schwächen anzuerkennen. Meine erste Yogastunde besuchte ich tatsächlich erst im Master- und Meisterklassenstudium 2009.

„YOGA beinhaltet(e) für mich all das, was ich immer gesucht hatte.“

  • Bewegungen, die meinem Körper gut tun und nicht schädigen (wie zum Beispiel Tae Bo oder stumpfes Gewichte-Stemmen mir eher geschadet haben). 
  • Bewegungen, die mich stärken und stark halten, gleichzeitig aber auch flexibel und weich. Wer seinen Körper täglich professionell nutzt, verzichtet lieber auf Muskelkater, wie er zum Beispiel durch Klettern entstehen kann.
  • Die Verbindung von Atem und Bewegung.
  • Der Atem selbst, der Aufmerksamkeit kreiert und der zum Kraft tanken wie auch zum Loslassen behilflich sein kann.
  • Die Idee der yogischen Theorie, bei sich zu sein und Stille in sich zu finden, um so Kraft und Inspiration zu erleben, die wiederum im Außen spürbar ist.
  • Momente der Meditation, die innehalten und den Geist zur Ruhe kommen lassen, die das Gedankenkarussell zum Stillstand bringen.
  • Der gesunde Lifestyle, der so wichtig für mich ist: Sowohl gesunde Ernährung, Inspirationen durch Ayurveda, als auch der Aspekt der Selbstfürsorge ist so bedeutend für uns als Musiker*innen!

„Wir brauchen unseren Körper, wie auch unseren Geist, um täglich verlässliche Höchstleistung bringen zu können.“

Nach Jahren des Selbststudiums habe ich mir dann selbst das Geschenk der Ausbildung zur Yogalehrerin geschenkt. Schon die intensive Ausbildung bereicherte mich als Musikerin sehr. In dieser Zeit habe ich mit meinem Trio das Stipendium zur Bundesauswahl Junger Künstler beim Deutschen Musikwettbewerb gewonnen. Gleich nach der Ausbildung 2014 begann ich zu meinem freischaffenden Dasein als Musikerin zusätzlich Yoga zu unterrichten und erlebte sofort, dass auch das mich bereichert und mir Kraft gibt.

Katharina Giegling Musikerin und Yogalehrerin

© Zuzanna Specjal

4. Frage: Wie bereichert DEINE YOGAPRAXIS Dein Musizieren/ Üben?

Katharina: Ich praktiziere jeden Tag Yoga. Sei es eine Minute oder 20 Minuten am Morgen als Morgenritual oder sei es eine 90-minütige Yogaeinheit.
Und wenn es bewusstes Atmen ist „in the middle of a busy day“ – mit Yoga bin ich ausgeglichener und balancierter, sowohl körperlich als auch emotional.

Ich bin konzentrierter beim Üben und Konzertieren und liebe es, wenn ich schon stark, gedehnt und mobilisiert in meine Übepraxis – oder Probe starte, statt völlig aus dem Kalten zu starten. Seit ich Yoga mache, erleide ich keine Verletzungen mehr durchs Musizieren.
Rücken-, Nacken-, oder Kopfschmerzen kann ich mit meiner Yogapraxis unmittelbar reduzieren und fühle mich einfach gesund und wohl in meinem Körper!
Auch auf Reisen, egal ob es die Zugfahrt ist oder der Flug auf einen anderen Kontinent, hilft mir Yoga, Atem und Meditation, sofort am Konzertort anzukommen, mich im Moment einzufinden, gesund und stark mit all meinen Kräften in neuen Umständen und an unbekannten Orten mein Potential zum Strahlen und Leuchten zu bringen.
Und hinsichtlich des Themas Lampenfieber ist der Bezug und die Beziehung zum eigenen Körper so elementar. Vor Konzerten übe ich oft erdende Asanas (Übungen) und konzentriere mich speziell auf meinen tiefen und ruhigen Atem, wie auch auf bewusste Entspannung im Körper. Nach Konzerten liebe ich es, mit einer Yoga Einheit am Abend Adrenalin abzubauen, um so besser zu schlafen und sehr viel wacher und fitter am Morgen und am nächsten Tag zu sein!

5. Frage: Welche Erkenntnisse hattest Du durch YOGA für Dein Musizieren, die Du Dir schon früher gewünscht hättest?

Katharina: Ehre und schätze deinen Körper: Dein Körper ist dein wahrer Schatz, pflege ihn. Mit einfachen Übungen und auch schon in kurzer Zeit können wir so viel aus unserem Körper herausholen, was sich wunderbar auf den Klang des Instruments, unseren Auftritt und letztendlich auch unsere Karriere auswirkt!

6. Frage: Welche Probleme/ Herausforderungen konntest Du mit YOGA in Bezug auf die Musik für Dich lösen?

Katharina: Yoga hilft mir – und meinen Klient*innen – Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, ja Schmerzen allgemein zu reduzieren, spielbedingten Verletzungen vorzubeugen, das Immunsystem  zu stärken, Lampenfieber zu reduzieren und abzubauen.
Außerdem lernte ich durch Yoga freieres Spielen, Steigerung des Körpergefühls und somit sofortige Umsetzbarkeit von Gelerntem. Dazu kommt, dass auch der Klang sehr viel differenzierter farbenreicher werden kann!
Auch im Bereich der Kommunikation mit Kolleg*innen glaube ich, dass durch Yoga sehr viel mehr Empathie und Selbstreflexion möglich ist, was eine sehr viel freundlichere, kollegialere und effektivere Kommunikation und Probenkultur schafft.

Katharina Giegling Musikerin und Yogalehrerin

© Zuzanna Specjal

7. Frage: Wo siehst Du das größte Potential in der Kombination von Musik & YOGA?

Katharina: Das größte Potential in der Kombination von Musik und Yoga sehe ich hier:

„Wenn wir auf der Bühne stehen, müssen wir im Moment sein!“

Dies kann gleichzeitig eine Voraussetzung zum erfolgreichen Musikerdasein, aber auch eine  Herausforderung sein.
Das Schöne ist: Je mehr wir auf der Yogamatte diesen Fokus auf unseren Körper, den Atem und den Moment üben, desto besser, freier und fokussierter sind wir auf der Bühne als Musiker*innen!

8. Frage: Hast Du Buch-, Video- oder andere Tipps, die sich für den Einstieg oder auch die Vertiefung der eigenen Yogapraxis als Musikerin eignen?

1) Mein eigenes Buch: „Yoga für Musiker – Klarheit in Körper und Geist. Schmerzfrei und erfolgreich als Musiker“ – auch auf englisch erhältlich!

Dieses Buch bietet praktische, sofort umsetzbare Yoga-Übungen und Sequenzen für professionelle (Orchester)Musiker.

Diese Techniken helfen Dir als Musiker dabei, Deinen Körper zu stärken und Deinen Geist zu fokussieren und insgesamt in Balance zu bleiben.

Besondere Schwerpunkte liegen auf dem Vorbeugen und Lindern typischer körperlicher wie mentaler Beschwerden von professionellen Musikern.

Hier kannst Du mehr über das Buch „Yoga für Musiker“ erfahren und es auch kaufen: Buch auf Deutsch oder als Ebook.

2) Mein 4 Wochen-Yoga-Programm für Musiker*innen „BACK TO TUNE“

BACK TO TUNE – The Basics ist mein bewährtes komplettes 4-wöchiges Programm, mit dem Du mehrmals pro Woche oder sogar täglich Yoga machen kannst.

Auf dich wartet eine komplette Online-Meisterklasse, die Dich an die Hand nimmt und Dir genau zeigt, wie Du mit Yoga, Deinem Atem und Deinem Körper in Kontakt treten kannst. Das ermöglicht Dir sehr viel gesünder und erfolgreicher als Musiker*in zu sein! Hier findest Du mehr Informationen zu BACK TO TUNE.

9. Wie können interessierte Musiker*innen nun Kontakt zu Dir aufnehmen?

Sprich mich gerne an – auch auf Instagram oder Facebook. Auf meinen Social Media Kanälen findest du viele kleine Einheiten und Ankündigungen zu Livesessions! Ich coache auch Akademien und Orchester, und biete ganz individuelles Einzelcoaching on und offline an! 

Ich freue mich auf Dich!

Herzlich, Katharina

katharinagiegling@gmail.com

@yoga_for_musicians

http://www.katharinagiegling.de

Ich hoffe Katharina und ich konnten Dir etwas oder noch mehr Lust auf Yoga als Musiker*in machen. Lass mich gerne wissen, wie Dir der Artikel gefällt und teile ihn gerne mit anderen, die das Thema auch interessant und bereichernd finden könnten.

Alles Liebe

Deine

Melina

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