Yoga, Musikerin Katharina Giegling

Sehsinn-Hack Tutorial

Manche Stellen wollen und wollen einfach nicht gelingen, oder? Egal wie oft wir sie wiederholen, die vorgegebene Geschwindigkeit scheint unerreichbar und gerade, wenn es drauf ankommt, verspielen wir uns an diesen besagten Stellen immer wieder gerne!

Ein typisches Beispiel dafür sind 16-tel Läufe oder -Passagen, die selbst nach mehrmaligen üben nicht in der gewünschten Geschwindigkeit oder Sicherheit abrufbar sind. Wenn wir sie dann schon wirklich oft wiederholt haben und es immer noch nicht klappt, kommen Zweifel hoch: Werde ich das jemals in dem Tempo spielen können? Bin ich vielleicht einfach nicht gut genug? Werde ich es jemals sein?

Smarter üben mit Übehacks: Auf die richtige Technik kommt es an.

Ich habe gleich zwei gute Nachrichten für Dich!

  1. Wenn eine technische Stelle auf dem Instrument nicht funktioniert, liegt es meist nicht an Dir, sondern an der Art und Weise, wie Du diese Stelle übst.
  2. Genau für diesen Fall habe ich die Übehacks konzipiert. Die Übehacks helfen Dir dabei smarter zu üben und viele verschiedene Techniken zur Verfügung zu haben, wenn Du mal feststeckst.

In diesem Artikel erkläre ich Dir Schritt für Schritt, wie Du mit dem Sehsinn-Hack 16-tel-Läufe und -Passagen so übst, dass Du sie danach schneller und auch sicherer spielen kannst.

Schnapp Dir am besten gleich Dein Instrument, die Noten mit der besagten Teufels-Stelle 😉 sowie diese Anleitung und lege direkt los.

Schritt für Schritt Anleitung: 16-tel Läufe mit dem Sehsinn-Hack üben.

  1. 1. Eintunen: Richte deine Aufmerksamkeit beim Musizieren auf das, was Du siehst, zum Beispiel die Noten. Gewöhne Dich daran, dass nun der Sehsinn beim Spielen im Fokus steht.
  2. Beobachte: Wie verhält sich Dein Blick beim Spielen? Zu dem, was Du spielst/hörst? Was fällt Dir auf?
  3. Spiele Deine 16-tel-Läufe, -Passage.
  4. Spiele die Passage ein zweites Mal und erfasse, wie sich Dein Blick zu dem Gespielten verhält. Anbei ein paar Möglichkeiten:

a. Du schaust genau die Note an, die Du spielst.

b. Dein Blick hängt hinterher. Dein Blick ist langsamer, als Du spielst.

c. Du achtest auf eine Note aus dem Lauf besonders, da sie sonst immer schiefgeht.

    d. Du schaust mehrere Noten auf einmal, zum Beispiel 2 oder 4 Noten auf einen Blick.

    5. Welche Variante (a-d) trifft für Dich zu.

    6. Nun probiere alle 4 Varianten (a-d) aus und nehme bewusst wahr, was die verschiedenen Herangehensweisen verändern. Was die Stelle leichter werden lässt und was gar nicht funktioniert.

    Die Auflösung: Welche Sehsinn-Technik Dir hilft, 16-tel Läufe sicher und schneller zu spielen.

    Wahrscheinlich hast Du jetzt, wo Du alle Varianten ausprobiert hast, schon eine Idee welche Sehsinn-Technik Dich Deinem Ziel näherbringt, die 16-tel Läufe schnell und sicher zu spielen.

    Lass uns nach dem Ausschlussverfahren vorgehen:

    a. Du schaust genau die Note an, die Du spielst: Mit dieser ersten Variante sind wir schlicht und ergreifend zu langsam mit unserem Blick. Wir erfassen die einzelnen Noten gar nicht so schnell, wie wir sie am Ende spielen wollen. Diese Technik eignet sich für schnelle Passagen nicht sehr gut.

    b. Dein Blick hängt hinterher. Dein Blick ist langsamer, als Du spielst: Mit dem Blick beim Spielen hinterher zu sein, ist vielleicht der ungünstigste Fall, wenn wir schnelle 16-tel Läufe spielen wollen. Fehler sind hier vorprogrammiert, da wir die nächsten Töne noch gar nicht im Blick haben, bevor wir sie schon spielen.

    c. Du achtest auf eine Note aus dem Lauf besonders, da sie sonst immer schiefgeht: Ich kenne es selbst sehr gut bei einer ungewöhnlichen Note im Lauf oder einem schweren Griff einen Anker setzen zu wollen und das mit dem Blick zu unterstützen. Am Ende wird aber auch diese Technik unserer Geschwindigkeit beim Spielen im Wege stehen. Denn jeder Ton, den wir in einer Gruppe mehr Aufmerksamkeit schenken, braucht auch mehr Zeit. Auch diese Technik hilft uns nicht dabei schneller zu werden.

    d. Du erfasst mehrere Noten auf einmal, zum Beispiel 2 oder 4 Noten auf einen Blick: Um 16-tel Läufe wirklich schnell und sicher spielen zu können, ist es daher empfehlenswert den Blick auf 16-tel-Gruppen zu richten. Also zum Beispiel 2- oder 4-Sechszehntel als Gruppe auf einen Blick zu erfassen. Im besten Fall spiegelt sich diese Einheit auch in Deiner Bewegung und Deiner Klangvorstellung wider. Die Stelle sollte sich wie aus einem Guss anfühlen, bzw. das ist auch die Voraussetzung für die Temposteigerung. Deshalb: Sollte es bei einer Tonverbindung im schnellen Tempo noch haken, beginne erstmal in einem langsameren Tempo oder übe einzelne Griffverbindungen. Wenn Du dann das Gefühl hast den Lauf in einem Guss spielen zu können, dass er sich rund anfühlt, nutze die Sehsinn-Technik „d“, um das Tempo zu steigern.

    Wer jetzt noch ein Stück weiter gehen will, auf den wartet im folgenden Abschnitt noch eine Bonus-Technik.

    Bonustechnik für noch mehr Sicherheit und Schnelligkeit bei 16-teln

    Wenn Du nun richtig sicher darin bist 16-tel-Gruppen über Deinen Sehsinn zusammenzufassen UND wenn sich diese wie aus einem Guss gespielt anfühlen, wartet jetzt eine Next-Level-Bonustechnik auf Dich!

    Mit dieser kannst Du die Geschwindigkeit Deiner 16-tel auf die Spitze treiben und sie hilft Dir auch dabei noch mehr Sicherheit zu gewinnen.

    Diese Technik eignet sich vor allem für Passagen, bei denen mehrere Sechszehntel-Gruppen hintereinander gespielt werden sollen.

    Bei der Bonustechnik richtest Du Deinen Blick nun nicht mehr auf die Gruppe, die Du gerade spielst, sondern schaust nach vorne auf die kommende Gruppe. Das heißt Du spielst eine Gruppe, während Du bereits die nächste mit Deinem Blick anvisierst.

    Gerade bei dieser Technik beschreiben viele Musiker*innen, dass sie zu Anfang einen Kontrollverlust spüren. Gib Dir also auch hiermit etwas Zeit, um Dich daran zu gewöhnen. Am Ende wartet aber ein Tempo für Deine 16-tel-Läufe auf Dich, das Du bisher noch nicht für möglich gehalten hast!

    Fazit

    Es ist ganz normal, dass es etwas dauern kann, bis Du den Sehsinn für Dich sicher und hilfreich beim Üben von 16-tel-Läufen und -Gruppen einsetzen kannst.

    Zu Beginn kann es wirklich eine Herausforderung sein, bewusst mit dem Blick beim Üben umzugehen, Dich nicht ablenken zu lassen oder auch die Noten über Deinen Blick in Gruppen zusammenzufassen. Gib Dir einfach etwas Zeit diesen neuen Sehsinn-Übehack auszuprobieren und zu entdecken.

    Zu Beginn geht es vor allem darum zu experimentieren, Spaß zu haben & neue Erfahrungen zu machen. Du wirst sehen, die Fortschritte kommen schneller als Du denkst und eh Du Dich versiehst, kannst Du Deinen Sehsinn ganz selbstverständlich für Dich beim Üben nutzen.

    Die Endorphin Dusche und das geniale Gefühl, wenn Deine 16-Läufe das erste Mal und zukünftig viel besser funktionieren, wird Dich angemessen belohnen!

    Hol Dir jetzt die neusten Übehacks, Tutorials, Interviews und Blogartikel für ein kreatives und erfülltes Üben direkt in Dein Postfach!


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