Können wir noch natürlich atmen?

Jede Minute atmen wir zwölf Mal Ein und Aus und vertrauen darauf, dass wir dabei nichts falsch machen können. Oder doch?

Bei mir stellte sich diese Frage zum ersten Mal während meines Klarinettenstudiums, denn beim Klarinette spielen ist eine tiefe Bauchatmung unabdingbar. Dabei fiel mir auf, dass ich mir über die letzten Jahre eine Brustatmung angewöhnt hatte, die nicht nur zu extremen Verspannungen führte, sondern auch sehr viel Potential verschenkte. 


Und, ich war nicht alleine mit meinem Problem. Viele meiner Kommilitonen standen an dem gleichen Punkt und als ich später anfing zu unterrichten, begegnete mir das Thema wieder. 

Zunächst war das Klarinette spielen natürlich die Hauptmotivation meine Atmung umzustellen, aber schon bald machten sich die positiven Auswirkungen auch bei anderen Aktivitäten in meinem Leben bemerkbar. Außerdem begann ich mich in meinem Körper viel wohler zu fühlen. 

Ein Beispiel

Laufen war eigentlich nie mein Ding, aber die vielen Vorteile motivierten mich immer und immer wieder, es auszuprobieren. Zu schön war die Vorstellung: 

  • Einfach von zu Hause starten zu können und nicht zu einem Studio fahren müssen.
  • Örtlich flexibel zu sein, das heißt auch auf Reisen privat oder geschäftlich, Sport machen können.
  • Regelmäßig raus in die Natur zu kommen – für mich Entspannung pur!

Den Grund, warum es nicht so richtig klappen wollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Erst als ich mich für das Studium mit der Atmung beschäftigte, platzte der Knoten. 

Der Grund dafür, dass sich bei mir schon nach wenigen Kilometern ein Gefühl von Luftknappheit und Enge einstellte, war auch hier meine Brustatmung. Oft war es sogar so, dass ich verspannter nach Hause kam, als ich losgelaufen war. Laufen fühlte sich für mich einfach nicht gut an!

Nachdem ich die Ursache für mein Problem herausgefunden hatte, achtete ich bei den nächsten Läufen auf meine Atmung und konnte bald die Vorteile eines freieren Atmenflusses und eines gewissen Wohlfühlfaktors spüren. Natürlich war das Laufen immer noch anstrengend, aber der ganze Ablauf fühlte sich nun wesentlich natürlicher an. 

Heute ist das Laufen fest in meinen Alltag integriert und ich bin stolz schon zwei Halbmarathons gelaufen zu sein. Dies hätte ich mir vor einigen Jahren niemals vorstellen können! 

5 x Potential Atmung
Neben dem Laufen gibt es natürlich zahlreiche andere Dinge, bei denen sich die Beschäftigung mit der Atmung lohnt. Hier seien nur ein paar Beispiele angerissen.

#1 Sport
Eben schon erwähnt und deshalb darf der Punkt auch hier nicht fehlen: Sport.
Neben den typischen Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen, spielt die Atmung aber auch beim Gewichtheben – schon einmal darüber Gedanken gemacht, ob Du bei Anstrengung aus- oder einatmest? – oder beim Yoga, bei dem die Atmung alle Übungen begleitet, eine Rolle und kann Deine Leistungsfähigkeit oder den Wohlfühlfaktor steigern.

#2 Meditation
Ähnlich wie beim Yoga ist auch bei Meditieren die Wahrnehmung des Atems ein großer Bestandteil der Praxis. Die Atmung kann hier die Brücke von der Außen- in die Innenwelt schlagen und ein Anker für Dich sein. 
Empfinden wir unsere Atmung als unangenehm oder einengend, fällt es uns wesentlich schwerer nach innen zu blicken und den „Zustand“ unseres Körpers abzufragen.

#3 Lampenfieber & Aufregung
Bei Prüfungen, einem Vorstellunggespräch, einem Auftritt oder Vortrag wollen wir überzeugen und alles richtig machen. Bereits Tage vorher und insbesondere am Tag selbst sind wir aufgeregt und haben Lampenfieber. Auch hier kann Deine Atmung ein Anker sein, um von den Gedanken, die sich mit dem Außen, der Zukunft oder der Vergangenheit beschäftigen, wieder eine Verbindung mit dem Körper aufzubauen und ins „Jetzt“ zu kommen.

Ein weiterer wunderbarer Vorteil: Die Konzentration auf die Atmung ermöglicht es Dir ruhiger zu werden und lindert Symptome des Lampenfiebers, wie schwitzige Hände, trockener Mund oder flauer Magen.

Interessierst Du Dich mehr fürs Thema Lampenfieber? Dann schau auch gern bei den Beiträgen: Lampenfieber? – Mit diesen Tools hast Du es im Griff. Teil 1 „Die Vorbereitungsphase“ oder 2 „Der Prüfungstag“.

#4 Beruhigung & Fokussierung
Ebenso wie beim Prüfungsstress, kannst Du Deine Atmung auch im Alltag dazu nutzen Dich zu beruhigen oder zu fokussieren. 
Wenn ich beispielsweise Probleme damit habe, mich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, nehme ich mir gerne ein paar Minuten Zeit, schließe meine Augen und konzentriere mich auf meine Atmung – eine Mini-Meditation also. 
Die wenigen Minuten machen meist einen sehr großen Unterschied! 
Ich habe mich auf die neue Aufgabe eingestellt und alle anderen Gedanken auf meiner imaginäre Wartebank platziert.

#5 Aktivierung
Neben der Beruhigung kannst Du dich natürlich auch durch deine Atmung aktivieren. Solltest Du durchhängen oder müde sein, können schon ein paar aktive Atemzüge, am besten an der frischen Luft, dabei helfen, versteckte Energien zu mobilisieren. 
Probiere es einfach mal aus! 

Und nun zu Dir

Die „richtige“ Atmung kann Dich also bei vielen Dingen unterstützen oder auch Deine Leistungsfähigkeit steigern. Hast Du Dich in dem ein oder anderen Punkt wiedergefunden? Oder einen anderen entdeckt? 
Würden Dich weitere Impulse und Übungen zum Thema Atmung interessieren?

Schreibe mir gerne Deine Gedanken und Anregungen in die Kommentare! Ich freue mich drauf!

Deine Melina

Weiteres von mir zum Thema Atmung findest Du auch auf dem Blog „Lieber Glücklich von A-Z“ von Katja Otto. Mein Beitrag: „Atmung – Dein Schlüssel zum Glück?„.